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11.11.2011·Matthias Goergens, Düsseldorf

Interview mit Beatrix Rosenberg vom Spielschiff

Piratenkinder aufgepasst: Dieses Schiff hat Beatrix Rosenberg zum Entern freigegeben! Mit Mast, Kajüte und Segel steht die namensgebende Holzkonstruktion auf dem Boden ihres Geschäfts „Spielschiff“. Platz genug zum Spielen, Turnen Lesen, während sich Mama oder Papa beraten lassen. „Es steht zentral, nimmt einen guten Teil unserer Fläche ein und hat sich schon sehr bewährt“, sagt Inhaberin Beatrix Rosenberg. Denn zum Konzept ihres Spielwarengeschäfts gehört eben die ausführliche Beratung der Kunden. Ob sie sich nun in Ruhe umschauen und inspirieren lassen wollen, ob sie ganz gezielt fragen, weil sie vorher etwas gehört oder gelesen haben, oder weil sie einfach bestimmte Fähigkeiten ihrer Kinder fördern wollen.

Denn das „Spielschiff“ hat vor allem nachhaltige und hochwertige Produkte geladen. „Unsere Spielwaren sind langlebig, an Inhaltsstoffen unbedenklich, das meiste ist mehrfach auf Herz und Nieren getestet worden“, sagt Beatrix Rosenberg. Denn darauf passt sie ganz besonders gut auf: Wenn Firmen auf festgestellte Mängel nicht reagieren, wird das Produkt umgehend aus dem Sortiment genommen. Allerdings hadert die 49-Jährige auch mit manchen Situationen, die nicht zu ändern sind. Zwar würden für ihr Geschäft vor allem solche Spielwaren bestellt, die Haltbarkeit und lange Lebensdauer in Kinderhänden versprächen. „Doch das lässt sich nicht überall durchhalten. Sandspielzeug wird zum Beispiel immer aus Kunststoff sein.“ Dazu kommt „ein Wahnsinns-Aufwand“ an Verpackungen. „Wenn ich sehe, was rund um Kinderspielzeug für Müll produziert wird, ärgert mich das.“ Entsprechend legt sie den Kunden ans Herz, beispielsweise Produkte zu nehmen, die mit wenig Verpackung auskommen und dadurch meist sogar günstiger sind. „Das Bewusstsein dafür zu schaffen, ist aber schwierig.“ Denn Qualität wird oft mit Mehrfach-Verpackungen gleichgesetzt.

Dabei wird diese durch ganz andere Eigenschaften bestimmt. Alleine beim Anfassen der Holzeisenbahn von „Brio“, den Holspielfiguren von „Ostheimer“ oder Teddys und Babyspielzeug von „Steiff“ wird das schon klar. Das breite Sortiment von „Haba“ mit Kleinkindspielzeug aus Holz, Kaufladen-Zubehör und Puppenschmuck gehört jetzt schon zu den Klassikern auf der Suche nach Nachhaltigkeit im Kinderzimmer. Ebenso wie Bücher und Puzzle von „Ravensburger“, und an „Lego“ hat Beatrix Rosenberg selbst noch Kindheitserinnerungen. Bei der Eröffnung Ende 1999 hatte sie auf die bunten Steinchen noch verzichtet. „Mittlerweile wird Lego aber sehr stark nachgefragt, denn es ist ja auch gutes Material, was Inhaltsstoffe und Spielmöglichkeiten angeht.“ Ihre favorisierten Spielzeuge kommen indes von „Cuboro“ aus der Schweiz, die spannende Kugelbahnen zum Selbstkonstruieren herstellen, und von „Koppla“ aus Frankreich, die flache und unbehandelte Holzklötzchen liefern. „Diese Spielzeuge sind ganz offen in der Nutzung und Gestaltung, damit wird der Kreativität freien Lauf gelassen.“

Denn genau das hatte die gebürtige Wattenscheiderin in den Berufsjahren vor dem „Abenteuer Einzelhandel“ so geschätzt. Insgesamt 22 Jahre arbeitete Beatrix Rosenberg als Erzieherin, zehn Jahre leitete sie eine Kindertagesstätte in Lintorf. „Doch bis zur Rente muss das nicht sein“, sagte sie sich immer und wurde Kapitänin auf ihrem eigenen „Spielschiff“. Das sollte erst in Ratingen vor Anker gehen, schließlich entschied sie sich für die Gegend um die Düsseldorfer Nordstraße. Die Einkaufsstraße im Stadtteil Derendorf kannte sie aus ihrer Ausbildungszeit, fand „gute Möglichkeiten“ ohne große Konkurrenz vor. „Vielleicht war es auch ein bisschen blauäugig“, sagt Beatrix Rosenberg rückblickend, denn damals sei in der Nähe auch die Filiale einer Spielwaren-Kette vertreten gewesen. Doch diesen „Sturm“ überstand das „Spielschiff“ schon innerhalb der ersten Monate, fährt mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt auf ruhiger See.

Bestes Zeichen dafür ist die Mitarbeiterzahl: Beatrix Rosenberg begann mit einer Halbtagskraft und einer Aushilfe samstags. Mittlerweile kümmern sich im Normalfall zwei Verkäuferinnen um die Kunden, bei Warenanlieferung braucht sie drei, samstags stets vier Kolleginnen im Laden. Ganz zu schweigen von der Chefin selbst, die im Hintergrund von ihrem Mann Werner (59) unterstützt wird.

Seit fünf Jahren wohnt das Ehepaar im gleichen Haus, schätzt die Wohnlage und das Viertel mit vielen Familien. Aber auch Ratinger, Meerbuscher und Erkrather gehören zum festen Kundestamm, der von Beatrix Rosenberg und ihrem Team mit viel Herz und Verstand bedient wird. „Als Erzieherin war ich jahrelang sehr festgelegt. Aber ich habe mir immer schon überlegt, was ich alles anders und schöner machen könnte.“ Teilweise hat sie das nun auch umgesetzt, auch wenn sich manches anders entwickelt hatte als in ihrer Vorstellung.

Doch das Grundprinzip ist klar: schöne Spielwaren anzubieten, auf gut gefertigte Produkte und nachhaltige Materialien zu achten. Dafür hält sie sich und ihre Mitarbeiter stets auf dem neuesten Stand, mit der Weitergabe von Informationen in kleiner Runde oder Veranstaltungen bei den Herstellern. Denn schließlich soll die Hauptzielgruppe, Eltern mit kleinen Kindern bis etwa zwölf Jahren, entsprechend kompetent, sorgfältig und nachhaltig beraten werden. „Mit der Beratung können wir bei den Kunden punkten und uns von den großen Ketten abheben.“ Und die nötige Zeit dafür verschafft das große Holzschiff, das auf dem Boden ihres Geschäfts vor Anker liegt und immer wieder mit viel Wonne von kleinen Piraten geentert wird.

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