128

29.06.2011·Matthias Goergens, Düsseldorf

Interview mit Ibrahim Amara vom Restaurant Spoerl Fabrik

Ibrahim Amara setzt bei der Einführung von Bio-Speisen auf die sanfte Tour: Die Speisekarte des „Restaurant Spoerl Fabrik“ an der Tußmannstraße werde nicht „mit der Keule verändert“, sagt der Gastronom, wohl aber nach und nach ergänzt und bereichert. „Bio-Produkte sind im Kommen, daher sind sie auf jeder Speisekarte Pflicht“, sagt der gebürtige Düsseldorfer mit tunesischen Wurzeln. Aus der Heimat seines Vaters kennt er das Essen im Einklang mit den natürlichen Ressourcen. „Es schmeckt eben einfach besser“, sagt der 33-Jährige. Auch hierzulande seien die Menschen viel selbstbewusster geworden, was die Ernährung betrifft. Dass die Bio-Speisen ein paar Euro mehr kosten als die Massenware, erklärt Amara den Gästen immer wieder gerne – und absolut überzeugend. Schließlich ist es auch bei ihm eine innere Einstellung: „Wir wollen schließlich alle einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und uns auch entsprechend ernähren.“ Dass er selbst täglich dort isst, dürfte fast keiner Erwähnung wert sein.

Bei etlichen Reisen im In- und Ausland holte sich Ibrahim Amara mit seiner Geschäftspartnerin Michaela Neiser die Inspiration für spannende Gerichte mit nachhaltigem Hintergrund. Ob in Metropolen wie Amsterdam und Paris oder Ländern wie Spanien und Dubai. Jetzt taucht „Pata negra“ auf der Karte auf, das „Nebraska Beef“ aus den USA oder das „Cerdo Iberico“ aus Spanien. Alles sorgfältig und nachhaltig produziertes Fleisch, dazu entsprechendes Gemüse und andere Beilagen. Für den Anfang vier bis fünf Gerichte mit den entsprechenden Erklärungen, so ist der Plan. „Wir möchten die Menschen aufmerksam machen. Wer kein Bio mag, der kann auch ein anderes Gericht auswählen“, sagt Ibrahim Amara.

Mit Michaela Neiser übernahm er Ende 2009 das Lokal in der „Spoerl Fabrik“, nachdem dieses zuvor rund 16 Jahre verpachtet war. Das Paar änderte die gastronomische Ausrichtung vom Bistro-Kneipen- in einen umfassenderen Restaurant-Charakter, ohne aber eine steife Weiße-Tischdecken-Stimmung zu produzieren. Nach wie vor gibt es das legendäre Frühstück, jetzt allerdings mit dem leckeren Hinkel-Brot. Hausgemachte Marmelade, hausgebeizter Lachs oder selbst gemachte Käsecreme liefern Möglichkeiten zur bewussten Ernährung. Auf der wöchentlich wechselnden Mittagskarte stehen acht Gerichte unter zehn Euro. „Dadurch haben wir schon eine ganze Menge neuer Kunden gewonnen, vor allem die Mitarbeiter von benachbarten Klein-Unternehmen kommen regelmäßig zu uns“, sagt Michaela Neiser. Mancher bleibt auch länger, was am kostenlosen W-Lan für Internetnutzer liegen könnte, mit dem das altehrwürdige Gebäude rein technisch in der neuen Zeitrechnung angekommen ist. Ab 20 Uhr steht der benachbarte Parkplatz des Getränkemarktes den Auto fahrenden Gästen zur Verfügung, die auf der Abendkarte eine reichhaltige Auswahl für jeden Geschmack finden. Ob Studenten, Geschäftsleute oder Familien mit Kindern – der Hinterhof an der Tußmannstraße ist Magnet für ein bunt gemischtes Publikum.

Die „Spoerl Fabrik“ ist der heimliche Motor von Pempelfort, sagt Michaela Neiser. Als ihr Vater 1993 das Gelände erwarb, umbaute und für Büros und Gastronomie tauglich machte, war das Viertel eher verrufen. Wenig Restaurants, schlechte Wohngegend, kein Platz zum Wohlfühlen. Mittlerweile hat sich im Dreieck „Ab der Fisch“, „Les Halles“ und „Spoerl Fabrik“ einiges getan. Durch den Neubau der Fachhochschule für Design (2013 fertig) und die Umwandlung des alten Derendorfer Güterbahnhofs in das Wohnquartier „Le Flair“ wird die Gegend einen weiteren Schub bekommen, glaubt Michaela Neiser. „Die Pempelforter sind wieder stolz auf ihr Viertel“, sagt die gelernte Grafikerin. Selbst die Schwiegertochter des berühmten Schriftstellers Heinrich Spoerl („Die Feuerzangebowle“) sei bei einem Besuch „ganz perplex“ gewesen, was aus der ehemaligen Fabrik geworden ist. Der Vater des Autors hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts an dem Standort papierverarbeitende Maschinen hergestellt. Einer der damaligen Arbeiter vermachte der neuen „Spoerl Fabrik“ die alte originale Stempeluhr, die nun neben zwei Schwarz-Weiß-Fotografien von Heinrich Spoerl die Gäste empfängt.

Das passt zur gediegenen und gemütlichen Einrichtung, die von Plastiken und Bildern des Beuys-Schülers Anatol geschmückt wird. Das setzt sich bis in „einen der schönsten Hinterhöfe Düsseldorf’s“ fort, so Ibrahim Amara. Die Bänke und Tische hatte das Paar extra von einem Schlosser anfertigen lassen – die wetterfesten und stabilen Modelle entdeckten sie bei einer der vielen Auslandsreisen und brachten Fotos mit. Als sie sich entschlossen, die Gastronomie selbst zu übernehmen, waren sie „mit einem neuen Ansporn“ in die verschiedensten Restaurants in aller Welt gegangen und brachten von da aus etliche Ideen mit. Asiatisch, regional, französisch oder mediterran – und alles nach Möglichkeit in der Bio-Version.

Unterstützung wissen Michaela Neiser und Ibrahim Amara von berufener Stelle an ihrer Seite: Sterne-Koch Jean Claude Bourgueil genießt regelmäßig seinen Kaffee im „Restaurant Spoerl Fabrik“, begleitet mit mancher gastronomischen Inspiration für Amara und Neiser. Die sorgfältig ausgewählten Kaffee-Bohnen kommen von der italienischen Traditions-Rösterei „Mokaflor“, die seit neuestem auch eine Bio-Marke anbietet. „Das ist einer unserer Eckpfeiler, auf den wir besonderen Wert legen“, sagt Michaela Neiser. Die Gäste sollen sich schließlich in entspannter Atmosphäre beim Genuss von Getränken und Speisen in bester Qualität wohlfühlen – von Früh bis Spät, von Kaffee bis Wein. Und nicht zuletzt beim Genuss von immer mehr „Bio-Gerichten“ auf der Speisekarte. Aber langsam und Stück für Stück, nicht etwa „mit der Keule“.

Zurück

Sie befinden sich hier:
Natürlich Düsseldorf > details