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05.07.2011·Matthias Goergens, Düsseldorf

Interview mit Margarete Riemer von Yavana Naturmode

Es riecht gut bei „Yavana“, das fällt sofort auf. Nach frischer Mode. „Klar, hier ist ja auch keine Chemie drin“, sagt Margarete Riemer. Ob Damenmode von „Lanius“, Wendekleider von „room to roam“ oder Hemden und Poloshirts aus Hamburg von „toodot“. Frei von Schadstoffen, fair gehandelt und organisch hergestellt. Manchmal rutscht der Inhaberin noch die Bezeichnung „Plünnen“ heraus, wenn sie über ihre neue Leidenschaft plaudert. „Damit haben wir früher etwas abwertend die Öko-Mode bezeichnet.“ Das meint Margarete Riemer längst nicht mehr so. Die Mode habe sich weiterentwickelt, Top-Designer entwickeln sogar nachhaltig produzierte Kleidung, ohne groß damit zu werben. „Das Bewusstsein für die Umwelt ist enorm gewachsen“, sagt die Düsseldorferin, die ihr Geschäft auf der Brunnenstraße 32 im Dezember 2010 eröffnete.

Die Einrichtung hat sie entsprechend extra entwerfen lassen, Sisal-Boden ausgelegt und sogar spontan auf die weiße (Öko-)Lackierung der Pressholz-Regale verzichtet. Sieht man gar nicht, schaut prima aus und es riecht einfach gut. „Das ist alles Öko“, sagt Margarete Riemer und atmet selbst tief ein. Als ob sie mit jedem Atemzug mehr von ihrer neu gefundenen Lebensenergie aufsaugen möchte. Denn schließlich hat die gebürtige Düsseldorferin in ihrem Leben schon eine ganze Menge beruflicher Zweige kennen gelernt. Vom Sprachen- und Philosophie-Studium bis zum ersten Staatsexamen über Gastronomie, Fachzeitschriften-Verlag bis in die IT-Branche. Dazwischen mit einer kurzen Auszeit den heute 22 Jahre alten Sohn großgezogen. Vor einem Jahr orientierte sie sich beruflich neu, ließ sich von einer Boutiquenbesitzerin in Kaarst auf die Mode-Schiene bringen.

Aus einem Existenzgründerseminar ging ihr der Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ nicht mehr aus dem Kopf. Über einen Bio-Laden in ihrem Wohnort ganz in der Nähe von Düsseldorf kam sie auf die Idee zur nachhaltigen Mode. Einige Internetseiten weiter war klar: in Neuss und Kaarst nicht vorhanden, in Düsseldorf spärlich. Die Idee war geboren. „Öko-Mode für Städter“ sollte es sein, Margarete Riemer schaute sich gleich bei Messen in Dortmund und Köln um und war überrascht. „Ich ernähre mich schon seit 30 Jahren gesund und wertvoll, aber die Kleidung fand ich bis dahin nicht wirklich ansprechend.“

Das änderte sich umgehend. „Es gibt eine Menge Designer, die qualitativ hochwertig produzieren.“ Dies übrigens explizit auch erst dann, wenn die Ware geordert wird. „Das gehört zur Nachhaltigkeit, das finde ich sehr wichtig“, sagt die Inhaberin. Ob Schmuck von „Rena Luxx“, Herrenhemden von „brainshirt“, Taschen von der Kölner Designerin Nicole Suess oder Gürtel aus alten Fahrradreifen von „Yeayea“. Der Wunsch nach nachhaltiger Mode ist allen gemein. Der japanische Top-Designer Kenzo ist mit der Öko-Linie „Kami“ ab Herbst 2011 vertreten, das niederländische Label „Kuyichi“ (Hemden, Jeans und Shirts) benannte sich nach dem peruanischen Regengott. Bei „Yavana“ gibt es modische Teile für Damen und Herren, für Teenager bis zu „Senioren jenseits der Rente“, in den regulären Damen-Größen 36 bis 42 oder bis zu 33er-Weite und 34er-Länge bei den Herrenjeans. Je nach Wunsch oder Bedarf können einzelne Teile auch in weiteren Größen bestellt werden.

Die meisten Kunden haben vorab gezielt nach ihrem Angebot gesucht. Auch wer zufällig ihr Geschäft betritt, sieht Margarete Riemer selbst „in Öko“ gekleidet. Überzeugt und überzeugend. Wichtig ist ihr, dass sich die Kunden wohlfühlen, sagt sie. Dass ihr Angebot im Vergleich zu Mode-Ketten manchmal den entsprechenden Preis hat, dazu steht sie selbst: „Das Wort, preiswert’ ist hier absolut gerechtfertigt. Schließlich sind es kleine Auflagen, immer etwas Besonderes.“ Man müsse ja auch nicht sofort den kompletten Kleiderschrank-Inhalt austauschen. Das macht sie selbst nicht. Aber nach und nach ein bisschen frische Mode von „Yavana“ auf der Brunnenstraße dürfe mit dem Gedanken an nachhaltige Produktion schon mal sein.

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